Während der Anpassung

Mit der Verordnung für eine Hörhilfe in der Tasche haben Sie sich für uns als Hörgeräteakustiker entschieden und einen Termin vereinbart. Etwas Zeit haben Sie eingeplant und sich zuvor ein paar Gedanken zu ihren Aktivitäten und den Anforderungen an ihr künftiges Hörgerät gemacht. Doch was erwartet Sie nun bei ihrem Termin mit dem Hörgeräte-Experten?

Mit einem Blick auf die Verordnung und das Audiogramm, welches der HNO-Arzt nach Ihrem Hörtest erstellt hat, verschaffen wir uns zunächst einen Überblick über die Art und die Ausprägung Ihres Hörverlusts und führen in den meisten Fällen selbst noch einmal einen Hörtest durch - schließlich hängt vom Ergebnis dieses Tests so einiges ab.

Für den weiteren Ablauf der Anpassung gibt es keinen festen Fahrplan. Jeder Akustiker hat seine eigene Art und seinen eigenen Weg, Sie bei der Suche nach dem Hörgerät zu unterstützen, welches Ihren Bedürfnissen und Anforderungen entspricht. Einen möglichen Weg zeigen wir an dieser Stelle auf.

Das Gespräch

Am Anfang steht zunächst einmal das Gespräch; wir werden Ihnen dabei einige Fragen stellen: Wann und wie Sie zum ersten Mal bemerkt haben, dass Sie schlecht hören, in welchen Situationen Ihnen das Hören besonders schwer fällt, ob es Vorerkrankungen gibt, welchen Beruf und welche Hobbys Sie ausüben, was Sie von einem Hörgerät erwarten, welche Preisklasse ungefähr in Frage kommt. So lernen wir uns erst einmal kennen und erfahren einiges über Ihre Bedürfnisse und Anforderungen an Ihren künftigen ständigen Begleiter. 

Natürlich behandeln wir Ihre Angaben vertraulich. Sie sind sehr wichtig für den Auswahlprozess und die Entscheidung für das richtige Hörgerät, die Sie für sechs Jahre oder auch länger treffen. Denn maximal alle sechs Jahre bezuschussen die Krankenkassen den Kauf eines Hörgerätes.

Probetragen

Umso intensiver sollten Sie in den kommenden Wochen verschiedene Geräte austesten. Wir bieten an, die Geräte für eine bestimmte Zeit mit nach Hause zu nehmen und in den unterschiedlichen Situationen Ihres gewohnten Umfelds auf Herz und Nieren zu prüfen. In unserem Fall werden Ihnen nun Hörgeräte einer bestimmten Preis-/Leistungsklasse von verschiedenen Herstellern vorgelegt. 

Alle diese Geräte können Ihren Hörverlust ausgleichen – aber jedes klingt in Ihren Ohren ein bisschen anders. Nun liegt es an Ihnen, den für Sie angenehmsten Klang herauszufiltern. Haben Sie den gefunden und sich damit zunächst einmal für einen bestimmten Hersteller entschieden, werden wir Ihnen Hörgeräte in anderen Preis-/Leistungsklassen von eben diesem Hersteller zum Testen geben und Sie auch noch einmal gezielt nach Ihren Aktivitäten fragen. Denn die sind oft entscheidend für die Wahl der Preis-/Leistungsklasse. Denn auch hier gilt: Jedes dieser Geräte ist in der Lage Ihren Hörverlust auszugleichen – aber nicht jedes genügt Ihrem Hörbedürfnis.

Brauchen Sie Ihr Hörgerät hauptsächlich im Zwiegespräch mit Ihrem Partner oder zu Hause vor dem Fernseher? Dann genügt Ihnen vielleicht schon ein einfaches, günstiges Gerät, mit einem einfachen Laut/Leise-Regler. Sind Sie jedoch viel unterwegs, im Verein aktiv, hören gerne klassische Musik oder möchten Ihr Hörgerät im Berufsalltag mit Ihrem Telefon und verschiedenen Multimedia-Anwendungen koppeln, werden Sie mit einem solch einfachen Gerät längst nicht zufrieden sein. Dieses mehr an Komfort und technischen Möglichkeiten hat dann natürlich seinen Preis – aber der kann sich für aktive und kommunikative Menschen durchaus lohnen.

(Weg-)Hören lernen

Sie tragen nun Hörgeräte zur Probe. Während dieser Phase werden wir als Hörgeräteakustiker die Lautstärke Ihrer Hörgeräte behutsam anheben, um so vorsichtig nach und nach auf das Hörziel hinzuarbeiten. Das ist sehr wichtig, denn Geräusche, die Sie lange nicht mehr wahrgenommen haben, werden Ihnen am Anfang erst einmal übermäßig laut vorkommen. Da wird ein laufender Wasserhahn schnell zum tosenden Wasserfall, das Rascheln von Zeitungspapier zum schrillen Knistern. Doch keine Angst: Sie werden mit einem Hörgerät nie lauter hören, als ein Normalhörender, auch wenn Ihnen das in diesem Moment so vorkommt. Sie müssen ganz einfach das (Weg-)Hören wieder neu lernen. So wie der Anwohner einer viel befahrenen Straße den Lärm der Autos nach einiger Zeit nicht mehr wahrnimmt, muss ihr Gehirn nun lernen, diesen (wieder) entdeckten Geräuschen nicht so viel Bedeutung zuzumessen. Durch regelmäßiges und langes Tragen der Geräte, gewöhnen Sie sich mit der Zeit Stück für Stück an die neue Situation. 

Stichwort Kassengeräte

In den vertraglichen Vereinbarungen zwischen der Bundesinnung der Hörgeräteakustiker und den Ersatzkassen wurden für die Vergütung der Hörsysteme Vertragspreise vereinbart. Wir haben uns dabei verpflichtet, dem Versicherten zwei Versorgungsvorschläge mit Hörsystemen zu unterbreiten, die „den individuellen Hörverlust entsprechend der medizinischen Notwendigkeit angemessen ausgleichen und die gleichzeitig eigenanteilsfrei, das heißt ohne zusätzliche Kosten (mit Ausnahme der gesetzlichen Zuzahlung)“ für den Versicherten sind. Neben diesen „Kassengeräten“ können wir Ihnen auch Hörsysteme mit Leistungsmerkmalen anbieten, die „über das Maß des Notwendigen und damit über die Leistungspflicht der Ersatzkassen hinausgehen“.

Über die Kassengeräte wird in der Öffentlichkeit und auch in der Branche immer wieder diskutiert. Die Berichterstattung einiger TV-Formate sorgt für Verunsicherung bei den Kunden. Das Problem: In den Verträgen zwischen der Bundesinnung der Hörgeräteakustiker und den Ersatzkassen ist von einem „angemessenen“ Ausgleich des Hörverlusts die Rede. Doch was ist „angemessen“? Mit jedem Kassengerät kann man jeden ausgleichbaren Hörverlust abdecken, aber nicht jeden Menschen. Denn was die Verträge nicht berücksichtigen, sind das individuelle Hörbedürfnis und der Anspruch an Tragekomfort und Kosmetik des jeweiligen Hörgeräteträgers. Jenseits der Messwerte haben diese subjektiven Empfindungen jedoch einen beachtlichen Anteil an einer erfolgreichen Anpassung. Kassengeräte haben also durchaus ihre Berechtigung und kommen für bestimmte Menschen durchaus in Frage – aber eben nicht für jeden. Denken Sie jedoch bei all den Diskussionen immer daran - jede Kassenversorgung ist besser als gar keine.

Fakt ist: Wir als Hörgeräteakustiker müssen Sie auf die Möglichkeit der eigenanteilsfreien Versorgung hinweisen. Tun wir dies nicht, oder sind Sie sich unsicher, dann fragen Sie einfach direkt nach den Gründen. Wir werden Ihnen Ihre Offenheit danken und Ihre Fragen gerne beantworten. 

Nach der Entscheidung

Nach der Auswahl des Herstellers, des Klangs, des Preises und dem Zubehör halten Sie nun Ihr künftiges Hörgerät in den Händen. Wie geht es nun weiter? Nach einer Abschlussmessung bestätigen Sie durch Unterschrift den Empfang der Hörgeräte. Sie unterschreiben die Versicherteninformation, die Versichertenerklärung zur Hörsystem-Versorgung und die Dokumentation der Sonderanfertigung. Das alles benötigen wir als Akustiker für die Abrechnung mit den Krankenkassen.

Um den Festbetrag, den Ihre Krankenkasse zum Hörgerät zusteuert, müssen Sie sich nicht kümmern. Wir rechnen mit der jeweiligen Kasse ab, Sie erhalten am Ende lediglich die Rechnung über Ihre Zuzahlung, sollten Sie sich für ein entsprechendes teureres Gerät entschieden haben.